Artist statement
Malen ist für mich ein entspannender sinnlich-intuitiver Prozess, um Eindrücke zu verarbeiten und mit Form und Farbe spielerisch eigene Welten zu erschaffen. Dabei mache ich keine Entwürfe, sondern lasse mich von Intuition und Zufall und der Präsenz des Moments leiten. Phasen der Betrachtung und Analyse, in die Wissen über Komposition und Farbenlehre einfließen, ergänzen diesen Prozess.
Meine Bilder bestehen aus vielen Schichten, die immer wieder hinzugefügt und wieder weggenommen werden, teils im vollendeten Bild noch sichtbar. Spuren dieses Prozesses werden nicht immer beseitigt oder begradigt, sondern zeigen die Schönheit, die in der Unvollkommenheit liegt.
Jedes Bild durchläuft einen fast immer gleichen Prozess aus Aktion und Reflektion.
Dieser von mir entwickelte Prozess ist immer gleich. Doch jedes Bild ist anders, da jeder Moment anders ist.
Ich kreiere abstrakte Kunst, die Nachrichten übermittelt, die ich nicht mit Worten ausdrücken kann. Sie möchte Menschen für lebendige Schönheit öffnen und sie inspirieren, Schönheit auch im Unvollkommenen zu finden.
Annette Wolter 2009
Vita
Annette Wolter, eigentlich Kunstlehrerin von Beruf, begann als Blumenmalerin mit
Acrylfarben. In einem grünen Teil von Berlin lebend, mit vielen Parks, Wasser und Pflanzen, war die Natur mit ihrer Blütenpracht ihr erstes Sujet. Doch sie merkte, dass sie freier werden, eigene Welten ohne das Kleben an der Darstellung der Realität erfinden wollte und übermalte schweren Herzens, aber auch mit einem Gefühl neuer Freiheit, ihre Blumen- und Landschaftsbilder.
So wandte sie sich der Farbfeldmalerei zu und arbeitete zumeist mit Pigmenten, Marmormehl und Acrylfarben oder Bindern. Im Laufe des Prozesses wurde ihr bewusst, dass sie nicht länger das Ökosystem durch Plastik (Acryl) belasten möchte und entschloss sich, dieses Material nicht mehr vorrangig zu nutzen. Sie recherchierte nach anderen Techniken als Acryl und fand in der Öl/Kaltwachstechnik ihr Medium. Diese sahnige Mischung, u.a. aus Öl und Bienenwachs, besteht je nach Marke zu ca. 90% aus ökologisch verträglichen Materialien.
Nach dem Abitur studierte Annette Wolter zunächst Architektur an der TU Braunschweig, bevor sie zur Kunstpädagogik wechselte, weil ihr die technischen Inhalte des Architekturstudiums zu sehr im Vordergrund standen. Doch die im Architekturstudium erlernten Grundlagen von Entwurf, Gestaltung und Design halfen ihr beim Entwickeln ihres eigenen Malstils. Auch erinnerte sie sich an Vater und Großvater, die beide Architekten waren, durch die sie schon früh mit dem Malen und Zeichnen in Kontakt kam. Schon mit 13 Jahren kopierte sie die Impressionisten, für die sie schon damals eine tiefe Begeisterung empfand. Sie liebte deren Spiel mit Licht, den lockeren Farbauftrag und die Betonung der Fläche statt der Perspektive.
Da das Hauptsujet der Impressionisten die Natur war, spielt sie für Annette Wolter bei ihrer abstrakten Malerei in folgenden Aspekten eine große Rolle: Wahl der Farben, freies Arbeiten ohne Lineal und Zusammensetzung ihrer Farben aus Bienenwachs, Öl und Pigmenten.
Die ersten Jahre ihrer Kindheit verbrachte Annette Wolter auf dem einsam im Teutoburger Wald liegenden Bauernhof ihrer Großeltern und streifte den ganzen Tag über Wiesen und durch Wälder. Sie pflückte Heidelbeeren, Brombeeren und Weintrauben, die vor ihrem Schlafzimmerfenster wuchsen. Im Sommer lutschte sie den Honig nach dem Schleudern aus den Waben und im Winter fuhr die Familie mit einem Pferdeschlitten zum nächsten Bauernhof, wo sie das warme Braun der Pferde vor der klirrend kalten weißen Schneelandschaft faszinierte.
Heute interessiert sie die Schnittstelle von Natur und Architektur. Mit ihrer prozessorientierten Malerei, die aus vielen Schichten entsteht, ist es ihr wichtig, die Sinne anzusprechen. Spuren des Handwerks und Herstellungsvorgangs in ihrer Malerei werden nicht immer abgedeckt, sondern dem Betrachter offenbar. Sie vermitteln ihm, im Gegensatz zur Computerkunst oder einem Kunstdruck, Spuren des lebendigen Malprozesses.